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Distanzhandel 2010: E-Commerce erweist sich als Branchen-Turbo [26.07.2010]

Im laufenden Jahr steigen die Umsätze im deutschen Versandhandel um 2,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Unterm Strich kauft jeder Deutsche in diesem Jahr statistisch für 365 Euro im Versandhandel ein, 2009 betrug dieser Wert noch 354 Euro. Allein der Online-Handel legt gegenüber 2009 um erkleckliche 15 Prozent zu und erweist sich so als Turbo für die Branche. Insgesamt geben die Deutschen 24,3 Milliarden Euro im Internet aus – rund drei Viertel davon für Waren, den Rest für digitale Dienstleistungen wie Downloads. Dieser Wert aus Waren- und Dienstleistungsumsätzen entspricht einer Steigerung um 12 Prozent gegenüber 2009. Zu diesen Ergebnissen kommt der Zwischenstand der Jahresprognose „Distanzhandel in Deutschland 2010“. Die aktuellen Zahlen haben der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (Bvh) und der Marktforscher TNS Infratest heute in Hamburg vorgestellt.

Demnach hat die Branche nicht nur die Finanzkrise gut überstanden. Im Wesentlichen ist es wohl den Internet-Pure-Playern wie Amazon und Co. zu verdanken, „dass der Distanzhandel die Quelle-Pleite komplett kompensiert hat“, berichtet Bvh-Präsident und Globetrotter-Chef Thomas Lipke. Auch ein Ende des Wachstumstrends, den der E-Commerce mit seinen Spielarten Mobile- und Social-Commerce vorantreibt, sei noch nicht absehbar. Während der Online-Handel beim Umsatzanteil der Bestellkanäle 2009 die 50-Prozent-Marke geknackt hat, steigt der Anteil an Internet-Bestellungen in diesem Jahr auf 71 Prozent bzw. – bezogen auf den Umsatz pro Kanal – auf 59,5 Prozent.

Das dürfte u.a. attraktiveren Surf-Bedingungen, neuen Technologien, die mobiles Shoppen ermöglichen (Stichwort: Smart-Phone-Durchdringung), sowie effektiven und effizienteren Prozessen bei Logistik und Warenwirtschaft sowie neuen Geschäftsmodellen geschuldet sein. So machen laut Lipke neue Formate und Angebotsformen von sich reden: von Live-Shopping-Seiten über Grouping-Plattformen bis hin zu Online-Shopping-Clubs, die starke Zuwächse vermelden. Insbesondere Social-Media-Netzwerke wie Facebook würden auf ihre Tauglichkeit als Vertriebskanal getestet. „Allerdings ist es schwierig, die Nutzer von Social-Plattformen wieder zurückzuholen in den eigenen Webshop“, skizziert Lipke. Auch aus dem Food-Segment seien vielversprechende Klänge zu vernehmen, nachdem der Lebensmittel-Versandhandel hierzulande rund zehn Jahre pausiert hat. Aktuell sei aber noch nicht klar, wie erfolgreich die Avancen von Amazon und weiteren Playern in diesem Geschäft sein werden.

Dessen ungeachtet nimmt der vermeintliche Oldie Katalog im Medienmix nach wie vor als Inspirations-, wenn auch nicht als Bestellmedium, einen wichtigen Stellenwert ein: 68 Prozent der Käufer nutzen laut Umfrage weiterhin gedruckte Kataloge. „Ich bin gespannt, welchen Einfluss neue Endgeräte wie das iPad mittelfristig auf diese Zahlen haben werden“, kommentiert Lipke. Top-Bestellmedium ist laut Studie auch im laufenden Jahr wieder das Internet. Demnach werden 71 Prozent aller Versandhandelskunden ihre Ware im elektronischen Kanal bestellen – zehn Prozent mehr als noch 2009. „Derweil informieren sich 21 Prozent der ,militanten‘ Stationärkäufer vorab im Web“, ergänzt Lipke. 

Das größte Stück am Umsatzkuchen entfällt auch in diesem Jahr auf die Multi-Channel-Versender, die dieses Mal mit einem Minus um 3,1 Prozent auf 15,6 Millliarden Euro rechnen müssen, während der Online-Anteil um 15,3 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro steigt. Platz zwei belegen die Online-Pure-Player (plus 17,5 Prozent über alle Bestellwege, online plus 22,7 Prozent). Diese reinen Internet-Händler erwirtschaften damit 5,5 Milliarden Euro im Netz. Auf Platz drei rangieren die eBay-Power-Seller, die ihren Umsatzt laut Studie um 2,4 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro steigern werden.

Wie in den Vorjahren geben die Verbraucher auch 2010 am meisten Geld für Bekleidung und Schuhe aus, gefolgt von Medien, Bild- und Tonträgern. Gerade Buch-, CD- und DVD-Bestellungen werden in diesem Jahr überproportional wachsen, so die Prognose. Bei der medialen Warengruppe gehen übrigens rund 75 Prozent des Gesamtumsatzes auf Internet-Bestellungen zurück. (ks)

(Mit freundlicher Genehmigung von acquisa)

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