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Background:

Hype oder Innovation - Die Hoffnung stirbt öfter als man glaubt

„Trotz meiner intensiven Arbeit mit dem Avimator konnte ich kürzlich meinem Avatar im Metaversum nur wenig Freude abgewinnen, fehlten mir doch mehrere L$ (Linden Dollars) um weitere Prims zu erwerben.“

Kommt Ihnen diese Thematik bekannt vor? Wenn ja, so gehören Sie zu der Sorte Mensch, die versuchen, ihrem Leben in virtuellen Welten eine neue Wendung zu geben. Oder zu der Sorte von Unternehmen, die versucht haben, ein gutes Geschäft durch geschicktes Marketing zu erzielen. In beiden Fällen jedoch klar zur Minderheit, denn trotz massivem Push gelang es nicht, „Second Life“ auch nur annähernd so auszubauen, dass es sich als dauerhafter Erfolg erweisen würde.

Second Life hat sich trotz insgesamt weltweit 15 Millionen registrierter „Bewohner“ nur als Hype herausgestellt und ist damit leider kein Einzelfall.

Die Beispiele, in denen sich Produkte, Lösungen oder Technologien als Hype oder gar als Flop herausgestellt haben, sind zahlreich. Rückblickend sorgen einige dieser Beispiele für ein Schmunzeln, andere für ein Schulterzucken und wieder andere für ein ungläubiges Kopfschütteln, frei nach dem Motto: „Was haben wir uns damals bloß dabei gedacht?“

Wussten Sie, dass Colgate vor einigen Jahren versucht hat, in den Fertigkost-Markt (Convenience Food) einzusteigen? Die berühmten TV-Dinner trugen für kurze (sogar sehr kurze) Zeit den Namen „Colgate“ – und waren nicht einmal besonders zahnfreundlich. Ein grandioser Flop. Der Markenname „Colgate“ schien den Verantwortlichen mit einer so hohen Zugeigenschaft ausgestattet zu sein, dass sie keinen Zweifel an dem Erfolg hatten.

Pepsi Chrystal oder „New Coke“ sind sicherlich auch schöne Beispiele für Fehleinschätzungen, deutlich kostspieliger dürften jedoch die Ausflüge der Informations- und Technologie-Branche in anderen Themen gewesen sein, allen voran UMTS.

Erinnern wir uns: alleine in Deutschland wurden für die Lizenzen zur Nutzung von UMTS fast 50 Mrd. € bezahlt, in Großbritannien über 38 Mrd. €. In anderen Europäischen Ländern waren es „nur“ noch einige hundert Millionen, aber zusammengerechnet dürften es fast 100 Mrd. Euro gewesen sein, die allein die Lizenzen gekostet haben. Rechnet man nun noch die Kosten für den Ausbau der Netze und die Geräte- und Softwareentwicklungen ein, so darf man sich die Frage stellen, welche Art von ROI-Rechnung hier zugrunde gelegt wurde. Dass nun im Jahre 2010 immerhin 25% aller deutschen Mobil(telefon)nutzer UMTS bzw. HSDPA nutzen, liegt sicherlich auch an der Verbreitung von Smartphones.

Dennoch hat es fast ein Jahrzehnt gedauert, bis sich dieser Standard durchgesetzt hat und bei ständig sinkenden Verbindungspreisen, wird es lange dauern bis sich hier ein echter (wirtschaftlicher) Erfolg einstellt. Trotzdem darf inzwischen sicherlich auch leise von einem Erfolg gesprochen werden – denn ohne die Grundlage von UMTS wäre eine wirkliche Innovation (oder ist es doch nur ein Hype?) gar nicht erst möglich gewesen: iPhone & iPad.

Erstaunlich, was diese beiden Geräte für Hysterie verursacht haben. Erwachsene Menschen, die vor Geschäften campen, um am ersten Verkaufstag stolzer Besitzer von diesen technischen Wunderwerken zu sein, gab es zuletzt bei einem neuen Harry Potter-Roman oder bei einem Michael Jackson-Konzert in den späten 80ern. Auf einmal ist eine Welt ohne Apps undenkbar, die Zukunft der Anwendungen liegt in diesen ladbaren Elementen und überhaupt ist das Surfen und gar das Shopping im Internet ohne Apfel-Logo undenkbar.  

Interessant dabei, dass die Usability dieser (oder ähnlicher) Geräte nach wie vor …schwierig ist. Schlechte Sicht bei bestimmtem Lichteinfall, fehlende USB-Anschlüsse für periphere Geräte und der Ärger mit dem Signal-Empfang scheinen dem Fortschritt kein Ende bereiten zu können.

Fairerweise muss gesagt werden, dass auch die ersten Internet-Seiten oder die frühen PC’s alles andere als benutzerfreundlich waren und dennoch ihren Siegeszug beschritten haben.

Ein weiteres Beispiel für einen künstlichen Hype war oder ist „Blue-ray“. Eine Entwicklung, die auch nach vier Jahren genauso überflüssig erscheint, wie ein eBook (oder Kindle?). Der Media-Rummel der seit der Einführung von diesem "Wunderformat" herrscht, hat mit Ausnahme von Besitzern ratenfinanzierter, (und meist) terrakottafarbener Sitzgarnituren, die alle 2 Jahre nach Peter Zwegat rufen, nur wenige Menschen dazu bewegt, ihre DVD-Spieler umgehend zu entsorgen. Warum auch?

Soll ein "normal" denkender Mensch nun ein drittes Mal nach VHS und DVD seine Video-Kollektion umbauen und zwingend ein neues Abspielformat im Haushalt einführen? Ist der Qualitätsvorsprung wirklich so relevant, dass deutlich höhere Preise für Hardware zu rechtfertigen sind? Und – sind Filme aus dem Netz nicht eher zukunftsträchtig?

Noch mehr Beispiele? Die Internet-Währung (Flooz läßt grüßen…), weil die Zahlung per Rechnung, Kreditkarte oder Nachnahme ja soooo unhandlich ist; Sogenannte „Smart Appliances (selbstdenkende Kühlschränke, die überforderte Hausfrauen an den Kauf von Milch erinnern sollten) oder Speech Recognition – Technologie, die Kommunikation zum Kinderspiel machen soll, sofern das gesprochene Wort erkannt wird. Wetten, dass sie auch noch in weiteren 40 Jahren an der englischen Aussprache von Günther Oettinger als Benchmark scheitern wird?

Die Liste der Beispiele, die für einen kurzfristigen Hype gesorgt haben, ist leider lang. Und sie wird mit jedem Tag länger, insbesondere geschürt von Wachstumshoffnungen der Industrie und Händler. Und mit jedem Tag wächst auch der Druck auf Händler und Lösungsanbieter, die versuchen müssen, immer wieder neue Funktionen zu implementieren und trotzdem zwischen Innovation und Hype zu unterscheiden.

Ganzen Software-Architekturen wird ihre Zukunftsträchtigkeit aberkannt und sie als veraltet gebrandet, weil sich (angeblich) Twitter oder Heino Hängesack-Applikationen nicht nahtlos integrieren lassen. Denn die Zukunft gehört XML. Und Cloud Computing. Und Net-PC’s. Und Open Source. Und Web 3.0. Und ASP (Sorry, ist schon wieder veraltet und erfährt nun seine Wiedergeburt als SaaS). Und Blog-face-xing-chat-hypervirtuellen Apps. Wer das als Software-Anbieter alles nicht kann, hat in den Augen der Anwender ein Problem. Unabhängig davon, ob die Technologie auch wirklich vom Unternehmen eingesetzt – oder gar vom Kunden genutzt wird. Transparenteres Beispiel: Der Chat! Noch vor wenigen Jahren als absolutes „Must have“ in einem Webshop propagiert, gibt es heute mit Ausnahme einer Handvoll Beispiele nur wenige Shops, die eine virtuelle Kommunikation mit ihren Besuchern per Keyboard ermöglichen. Der Kunde hat es nicht angenommen, Fragen lassen sich telefonisch oder per eMail dann genauso leicht – oder gar leichter klären.

Und selbst wenn der Kunde es hätte nutzen wollen, steht nicht selten eine nicht vorhandene Organisation im Unternehmen diesem angeblichen Fortschritt im Wege – und nicht die angeblich veraltete Software. Der Chat ist zumeist ganz einfach offline, weil kein Personal vorhanden ist, das diesen bedient.

Ähnlich sieht es mit Twitter, Facebook oder sonstigen Funktionen aus: Werden sich diese Instrumente durchsetzen? Wird der Kunde wirklich den nächsten Laden stürmen, wenn ihm mit 120 Zeichen (oder weniger) das Eintreffen roter Blusen "getwittert" wird? Nur die Zukunft wird es zeigen.

Die Vergangenheit hat jedoch bewiesen, dass echter Kundennutzen, interne Strukturen und technische Möglichkeiten im Einklang stehen müssen, damit ein dauerhafter Erfolg gewährleistet ist. Bestes Beispiel dafür ist Volkswagen: Mit Touran und Tiguan sind die Modelle erst Jahre später als ein Opel Zafira oder BMW X3 auf den Markt gekommen – und trotzdem haben sie sofort die Führungsposition der Zulassungslisten erobert. Klugerweise hat VW eben nicht sofort auf den Hype gesetzt, sondern genau den Markt beobachtet, Fehler der anderen Anbieter analysiert und dann ein fast perfektes Produkt auf den Markt gebracht. Dass Volkswagen nicht als innovativstes Unternehmen in der Branche dasteht, stört in Anbetracht der dennoch erzielten Gewinne und der hohen Kundenzufriedenheit dabei nicht wirklich.

Innovation und Hype sind kein unbedingter Widerspruch. Aus einem Hype kann sich im Nachgang eine wirkliche Innovation entwickeln, die dann auch mittelfristigen, im besten Fall sogar langfristigen Nutzen – und damit Erfolg bringen wird. Industrie, Händler und Lösungsanbieter müssen jedoch Ausdauer und Nerven zeigen. Wer schnell sein Pulver verschießt um auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen, wird für wirkliche Innovationen keine ausreichenden Ressourcen und Mittel mehr haben.

Der Markt wird entscheiden, wohin die Reise gehen wird und Händler und Technologie müssen diesen Ansprüchen in vollem Maße Genüge tragen, auch wenn es sich als vermeintlich schlechtere Lösung darstellte. Das musste auch Max Grundig erfahren, als er seine Video 2000-Technologie gegen VHS durchsetzen wollte – und scheiterte. Oder Apple mit seinem Newton. Oder IBM mit OS2. Oder AOL. Oder, oder, oder….

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